Aikido-Verein Hannover e.V.
- seit 1975 -
Hallo Besucher Anmelden

Projektwoche

Musisches Aikido

Projektwochen sind eine der neueren Erfindungen, um der Kopflastigkeit des täglichen Unterrichts etwas entgegenzusetzen.

Das Schulzentrum Elze (bei Hildesheim), in dem sich eine Orientierungsstufe, eine Hauptschule und eine Realschule vereinen, hielt ihre unter dem Namen 'Musische Tage' vom 26. bis zum 30. November 2001 ab, eine wunderbare Gelegenheit, ja, wofür wohl?

Birgit Hunold, Lehrerin an besagter Realschule und Mitglied des Aikido Vereins Hannover, und Stefan Schröder, ebenfalls AVH, boten in jener Woche Aikido zum Kennenlernen an. Die 75 Anmeldungen, die für den Kurs eingingen, konnten leider natürlich nicht alle angenommen werden, so daß viele der interessierten Schüler mit Seidenmalerei oder auch Besentanz vorlieb nehmen mußten (nichts gegen diese Aktivitäten!). Organisatorische Gründe (so heißt das wohl) führten dann zudem dazu, daß sich in der letztendlich zusammengestellten Gruppe nur noch 26 Jungs von der fünften bis zur zehnten Schulklasse befanden.

Projektwoche ElzeDie Judosparte des MTV Elze stellte freundlicherweise 100 Matten zur Verfügung, so daß der Unterricht fast sofort hätte beginnen können, wären diese Matten nicht im Keller gelagert gewesen. So waren wir gezwungen den Aufwärmübungen ein verschärftes Mattentragen voranzustellen, eine Übung, die bei keinem der Teilnehmer, die Übungsleiter nehmen sich da nicht aus, auf große Gegenliebe stieß, so daß wir kurzerhand für den Rest der Woche einen kleinen Bereich der Geräteräume zur Zwischenlagerung der Matten okkupierten.

Die niemals zu vernachlässigenden Gymnastikübungen zur Dehnung, Stärkung und Mobilisierung wurden meist von Spielen eingeleitet, ohne die man sich das Wohlwollen der Schüler auch kaum erkämpfen könnte.

Einleitende Erläuterungen wurden teils abwartend, teils interessiert aufgenommen, doch erst die ersten Demonstrationen von Techniken (ich weiß nicht mehr welche), weckten vollends die Aufmerksamkeit. Gleich darauf folgten die unvermeidlichen Fragen und Bemerkungen: 1. Mußten Sie das schon mal in echt anwenden? 2. Was mache ich, wenn der Angreifer X statt Y macht? 3. Sooo greift doch keiner an. (Die Beantwortung dieser Fragen ist allen künftigen ÜL zur Hausaufgabe aufgegeben.)

Die Demonstration einiger sogenannter 'effektiver' Techniken wandelte dann die Skepsis in Tatendrang, den wir gleich ausnutzen mußten, denn auch während einer Projektwoche können sich manche Schüler nicht von dem Gedanken freimachen, daß sie einem Zwang zur Teilnahme unterliegen, dem sie sich schon automatisch zu widersetzen suchen.

Tai-Sabaki und Rollübungen begleiteten jeden Trainingsbeginn, auch wenn die zu lernenden Techniken ohne die eleganten weiträumigen Ausweichübungen ausgeführt wurden.

Während wir die ersten beiden Tage ein wenig aus dem Nähkästchen trainierten, wurden Mittwoch einige Techniken ausgesucht, die sich für eine Präsentation vor versammelter Eltern- und Lehrerschaft eignen: Shiho-Nage (ein Wurf), Ude-Osae (ein Bodenhebel), Kote-Gaeshi (gegen Fauststoß, ohne freien Fall) und eine Irimi-Nage Variante. Jeder Schüler konnte sich eine Technik aussuchen, so daß vier Gruppen entstanden, deren Techniken am Donnerstag schwerpunktmäßig trainiert wurden.

Dabei stellte sich wieder einmal heraus, daß unterschiedlichen Altersgruppen die eingeforderte Disziplin und Konzentration einzuhalten unterschiedlich schwerfällt, mit vom Temperament abhängigen Schwankungen.

Freitag vormittag probten wir unseren Auftritt auf einem 5x5 qm großen Teilstück unserer Mattenfläche. So groß würde auch der uns im Musikraum zur Verfügung stehende Platz sein. Ein kurzer Text, Donnerstag abend schnell herunter getippt, wurde einem der Schüler unserer Gruppe übergeben zur Verlesung während der Demonstration. (Aikido ist ... runde Bewegung ... Energie des Angreifers ... Gleichgewicht brechen ...)

Die Schulveranstaltung fand am Freitag von 15.00-18.00 Uhr statt, so daß wir nach dem Unterrichtsschluß nach der sechsten Stunde noch genug Zeit hatten, unsere Matten zum Musikraum zu transportieren. Schnell waren die Matten aufgebaut und wir hatten vor der Demonstration noch Zeit uns bei den anderen Projekten umzusehen. Als wir eine halbe Stunde vor dem Beginn unserer ersten Demonstration um 16h, der noch eine zweite um 17h folgen sollte, den Musikraum betraten, waren schon ein paar unserer Schüler nervös dabei, letzte Feinheiten zu üben oder auch Freunden und Freundinnen die Wirksamkeit von Kote-Mawashi zu demonstrieren. Die Präsentationen liefen reibungslos ab: Sabaki; Rollen; oben schon erwähnte Techniken wurden durch kurze Überleitungstexte verbunden und nur von begeistertem Klatschen unterbrochen. Eine Journalistin einer Lokalzeitung stellte nach kurzem Abgruß wißbegierig Fragen und stellte uns zu einem Gruppenfoto auf, das mit einem Artikel in einer der von ihr belieferten Zeitungen erschien, zu meiner Verwunderung gleich mit beinahe dem kompletten Text unserer Präsentation.

Wehmut ließ in dieser Woche nur die Frage aufkommen, wo man denn dieses tolle Aikido lernen könne. Für die Schüler sind die 30 km nach Hannover eine nicht überbrückbare Hürde. Auch nähere Standorte wie Hameln oder Hildesheim sind kaum zu späterer Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreich- oder besser verlaßbar. So müssen die Schüler sehnsüchtig warten -- auf das nächste Aikido-Projekt am Schulzentrum Elze -- aber die Saat ist gesät ...

Text: Stefan Schröder

DruckenE-Mail

Online

Aktuell sind 66 Gäste und keine Mitglieder online

Links

Diesen Link finden wir empfehlenswert:


Für die Inhalte der Seiten sind deren Betreiber verantwortlich.